IVF & ICSI: Ihr Weg zum Wunschkind – Erfolgschancen & Ablauf

Was hinter den beiden häufigsten Verfahren der assistierten Reproduktion steckt, wie sie sich unterscheiden und was Sie bei den Erfolgschancen realistisch erwarten können.

IVF und ICSI Blogbeitrag Headerbild zum Thema Ihr Weg zum Wunschkind aus dem Kinderwunschzentrum Bonn

Wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ausbleibt, ist das für viele Paare ein einschneidender Moment. Medizinisch spricht man von Infertilität, wenn nach zwölf Monaten regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist; bei Frauen ab 35 Jahren bereits nach sechs Monaten.[1] Der Schritt zur reproduktionsmedizinischen Behandlung fühlt sich oft groß an. Gleichzeitig eröffnet er Wege, die viele Paare zu dem führen, was sie sich am meisten wünschen: ein eigenes Kind.

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) sind die bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Verfahren der assistierten Reproduktion. In diesem Beitrag erklären wir, wie sie funktionieren, worin sie sich unterscheiden und was aktuelle Studien zu den Erfolgschancen sagen.

40 bis 50 % Lebendgeburtenrate pro Zyklus bei Frauen unter 35 Jahren [2]
42 bis 57 % Kumulative Lebendgeburtenrate nach drei vollständigen IVF-Zyklen [2]
über 5 Mio. Kinder weltweit durch ICSI geboren seit 1992 [3]

Was ist eine IVF-Behandlung?

IVF steht für In-vitro-Fertilisation, zu Deutsch „Befruchtung im Glas“. Eizellen werden nach der Entnahme in speziellen Kulturgefäßen gemeinsam mit aufbereiteten Spermien inkubiert, wo die Befruchtung auf natürliche Weise stattfindet. Das Verfahren kommt vor allem dann infrage, wenn ein Eileiterverschluss vorliegt, die Samenqualität leicht eingeschränkt ist oder andere Behandlungsmethoden keinen Erfolg gezeigt haben. [1] 

Eine IVF-Behandlung im Kinderwunschzentrum Bonner Bogen umfasst folgende Schritte:

1

Hormonelle Stimulation

Die Eierstöcke werden stimuliert, damit mehrere Eizellen heranreifen können.

2

Eizellentnahme (Punktion)

Die reifen Eizellen werden unter Ultraschallkontrolle entnommen.

3

Spermiengewinnung

Das Sperma wird aufbereitet; bei Bedarf mittels TESE oder MESA.

4

Befruchtung im Labor

Die Eizellen werden per IVF oder ICSI befruchtet.

5

Embryokultur

Die befruchteten Eizellen entwickeln sich über 2 bis 5 Tage weiter.

6

Embryotransfer

Einer oder mehrere Embryonen werden in die Gebärmutter eingesetzt.

7

Schwangerschaftstest

Nach etwa 14 Tagen wird überprüft, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.

IVF oder ICSI: Was ist der Unterschied?

Beide Verfahren teilen die meisten Schritte. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art, wie die Befruchtung stattfindet.

Merkmal Klassische IVF ICSI
Befruchtungsweise Eizelle und Spermien werden gemeinsam inkubiert; Spermium dringt selbständig ein Ein einzelnes, gezielt ausgewähltes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert
Hauptindikation Eileiterverschluss, leicht eingeschränkte Samenqualität, unklare Ursache Schwerer männlicher Faktor, sehr geringe Beweglichkeit oder Anzahl der Spermien, TESE/MESA
Evidenzlage Bei nicht-männlichem Faktor gleichwertig oder leicht überlegen gegenüber ICSI[4] Klar indiziert bei schwerem männlichen Faktor; Vorteil bei normaler Spermienqualität nicht belegt[4]
Wichtig zu wissen: ICSI wurde ursprünglich für Paare mit schwerem männlichem Faktor entwickelt und erstmals 1992 durch Palermo et al. im Fachjournal The Lancet publiziert.[3] Aktuelle randomisierte Studien zeigen, dass bei Paaren ohne schwere Einschränkung der Spermienqualität die klassische IVF vergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse liefern kann.[4] Welches Verfahren für Sie infrage kommt, besprechen wir individuell in der Erstberatung.
Klassische IVF
ICSI
Befruchtungsweise
Eizelle und Spermien werden gemeinsam inkubiert; Spermium dringt selbständig ein
Ein einzelnes, gezielt ausgewähltes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert
Hauptindikation
Eileiterverschluss, leicht eingeschränkte Samenqualität, unklare Ursache
Schwerer männlicher Faktor, sehr geringe Beweglichkeit oder Anzahl der Spermien, TESE/MESA
Evidenzlage
Bei nicht-männlichem Faktor gleichwertig oder leicht überlegen gegenüber ICSI[4]
Klar indiziert bei schwerem männlichen Faktor; Vorteil bei normaler Spermienqualität nicht belegt[4]
Wichtig zu wissen: ICSI wurde ursprünglich für Paare mit schwerem männlichem Faktor entwickelt und erstmals 1992 durch Palermo et al. im Fachjournal The Lancet publiziert.[3] Aktuelle randomisierte Studien zeigen, dass bei Paaren ohne schwere Einschränkung der Spermienqualität die klassische IVF vergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse liefern kann.[4] Welches Verfahren für Sie infrage kommt, besprechen wir individuell in der Erstberatung.

Wie hoch sind die Erfolgschancen bei IVF?

Die Frage nach den Erfolgschancen ist die, die uns Patientinnen und Patienten am häufigsten stellen, und sie verdient eine ehrliche Antwort. Eine große britische Populationsstudie mit Daten von 178.898 Frauen zeigt, dass bei Frauen unter 35 Jahren die Lebendgeburtenrate pro IVF-Zyklus bei etwa 40 bis 50 Prozent liegt. [2] Mit zunehmendem Alter sinkt diese Rate: Bei Frauen zwischen 35 und 37 Jahren liegt sie bei etwa 30 bis 35 Prozent, bei 38 bis 40 Jahren bei 20 bis 25 Prozent. [2]

Entscheidend ist, dass IVF oft kein einmaliger Versuch ist. Dieselbe Studie zeigt, dass die kumulative Lebendgeburtenrate nach drei vollständigen Behandlungszyklen auf 42 bis 57 Prozent ansteigt, was die Bedeutung mehrerer Versuche unterstreicht. [2]

Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg?

Neben dem Alter der Frau spielen folgende Faktoren eine nachgewiesene Rolle:

1

Eizell- und Embryoqualität

Je mehr chromosomal gesunde Eizellen gewonnen werden, desto besser die Ausgangslage.[1]

2

Spermienqualität

Eingeschränkte Beweglichkeit oder Morphologie kann die Befruchtungsrate senken.[1]

3

Rauchen

Rauchen ist mit einer signifikant niedrigeren Lebendgeburtenrate verbunden. Der negative Effekt ist laut einer großen niederländischen Kohortenstudie mit Daten von 8.457 Frauen vergleichbar mit einem Altersanstieg von über 10 Jahren.[5]

4

Übergewicht

Ein BMI über 30 kg/m² ist laut einem systematischen Review mit einer klinisch relevanten Reduktion der Lebendgeburtenrate nach IVF assoziiert.[6]

5

Individuelle Faktoren

Hormonstatus, Zyklusgeschichte und die Ursache der Infertilität beeinflussen die Prognose im Einzelfall. Diese werden bei uns in der persönlichen Beratung bewertet.

Wie oft klappt IVF beim ersten Mal?

Bei etwa 20–30 % der Paare führt bereits der erste IVF-Versuch zu einer Schwangerschaft.

Da IVF häufig mehrere Behandlungszyklen umfasst, steigt die kumulative Schwangerschaftsrate mit jedem weiteren Versuch und kann nach drei bis vier Zyklen bei 45–70 % liegen.

Unser Team im Kinderwunschzentrum Bonner Bogen begleitet Sie fachlich kompetent und einfühlsam auf diesem Weg.

Ihr Weg zu uns im Kinderwunschzentrum Bonner Bogen

Kein Behandlungsplan gleicht dem anderen. Was für Sie persönlich sinnvoll ist, hängt von Ihrem Hormonstatus, Ihrer Zyklusgeschichte, der Samenqualität Ihres Partners und weiteren individuellen Faktoren ab. Im Kinderwunschzentrum Bonner Bogen in Bonn bieten wir sowohl die klassische IVF als auch ICSI und die natürliche IVF und natürliche ICSI an, und wir nehmen uns die Zeit, gemeinsam mit Ihnen den Weg zu finden, der zu Ihrer Situation passt.

Der erste Schritt ist oft der schwerste. Aber er ist auch der, der alles in Bewegung setzt. Wir begleiten Sie von der ersten Beratung bis zur erfolgreichen Schwangerschaft, mit medizinischer Expertise und dem Verständnis dafür, was dieser Weg emotional bedeutet.

Hinweis: Die hier dargestellten Informationen ersetzen nicht das persönliche Beratungsgespräch.

Persönliches Erstgespräch vereinbaren

Sie möchten wissen, welche Behandlung für Sie infrage kommt? In einem ersten, unverbindlichen Gespräch nehmen wir uns Zeit für Ihre Fragen und Ihre Situation.

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Quellen:

[1] Iliodromiti S, Nelson SM (2026): Female Infertility. StatPearls, NIH. Infertilitätsdefinition, IVF-Indikationen, Einflussfaktoren. ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK556033

[2] McLernon DJ et al. (2016): Cumulative live birth rates after one or more complete cycles of IVF: a population-based study of linked cycle data from 178,898 women. Human Reproduction. Konservative CLBR nach 3 Zyklen 42,3 %; optimale CLBR 57,1 %. PMID 26783243

[3] Bakkali A et al. (2024): Evolution of intracytoplasmic sperm injection: From initial challenges to wider applications. PMC. Erste ICSI-Publikation Palermo et al., Lancet 1992; über 5 Mio. Kinder durch ICSI. PMC11129627

[4] Berntsen S et al. (2025): IVF versus ICSI in patients without severe male factor infertility: a randomized clinical trial (INVICSI). Nature Medicine. Kein signifikanter Unterschied in der kumulativen LBR zwischen ICSI und c-IVF bei fehlendem schwerem männlichen Faktor. PMID 40217077

[5] Lintsen AM et al. (2005): Effects of subfertility cause, smoking and body weight on the success rate of IVF. Human Reproduction. OR Rauchen 0,72; Effekt vergleichbar mit Altersanstieg von über 10 Jahren. PMID 15817580

[6] Aiken CE et al. (2020): Beyond body mass index: a synthesis of lifestyle factors that may influence in vitro fertilisation outcomes. PMC. BMI über 30 mit signifikant niedrigerer IVF-Lebendgeburtenrate assoziiert. PMC7616016