PCOS heißt jetzt PMOS: Was das für Frauen mit Kinderwunsch bedeutet
Das polyzystische Ovarialsyndrom bekommt einen neuen Namen, der das Krankheitsbild endlich präzise beschreibt und damit die Chancen auf eine frühere Diagnose deutlich verbessert.
- Author: Frau Dr. Eva-Maria Boogen
- 5 Min. Lesezeit
Ein internationales Konsortium aus 56 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen hat die offizielle Umbenennung beschlossen und im Fachjournal The Lancet veröffentlicht.[1]
Wenn Sie schon länger von PCOS betroffen sind oder der Verdacht auf diese Erkrankung im Raum steht, werden Sie in den kommenden Monaten zunehmend einem neuen Begriff begegnen: PMOS, das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom.
Der alte Name PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) hat die Erkrankung jahrzehntelang falsch eingeordnet und dadurch Diagnosen verzögert. Das soll sich jetzt ändern, und wir möchten Ihnen erklären, was dieser Wechsel bedeutet, warum er wichtig ist und was er konkret für Ihren Weg mit Kinderwunsch bedeutet.
Warum war der alte Name PCOS irreführend?
Der Begriff „polyzystisches Ovarialsyndrom“ erweckt den Eindruck, es handle sich vor allem um eine Erkrankung mit krankhaften Zysten an den Eierstöcken. Tatsächlich sind die im Ultraschall sichtbaren Auffälligkeiten jedoch keine echten Zysten, sondern unreife Eibläschen (Antralfollikel), die aufgrund einer gestörten Follikelreifung häufiger auftreten. [1] Noch problematischer: Dieses Ultraschallbild zeigt sich auch bei Frauen ohne die Erkrankung, weshalb die Diagnose allein auf diesem Befund nie gestützt werden darf. [1]
Der irreführende Name hatte reale Folgen für viele Betroffene. Frauen, bei denen im Ultraschall keine auffälligen Bläschen zu sehen waren, wurden trotz vorliegender Symptome jahrelang nicht korrekt erkannt. Im Schnitt dauert es nach mehreren Facharztbesuchen bis zu zwei Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. [1]
Wir wissen heute, dass es tatsächlich keinen Anstieg abnormaler Zysten am Eierstock gibt und die vielfältigen Merkmale der Erkrankung oft nicht erkannt wurden.
Prof. Dr. Helena Teede, Monash Centre for Health Research, Melbourne [1]Was steckt hinter dem neuen Namen PMOS?
Das neue Kürzel steht für polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom. Jedes Wort darin ist bewusst gewählt. Die Erkrankung ist keine rein gynäkologische Erkrankung, sondern ein komplexes hormonelles und stoffwechselbedingtes Geschehen, das viele Organsysteme betrifft. [1] An dem mehrstufigen Konsensprozess zur Umbenennung waren 56 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen aus der ganzen Welt beteiligt. [1]
Zu viele männliche Hormone
Bei PMOS produziert der Körper zu viele männliche Geschlechtshormone, vor allem Testosteron, aber auch DHEA und Androstendion. Dieser Androgenüberschuss stört die Eizellreifung, führt zu Zyklusstörungen und verursacht sichtbare Beschwerden wie verstärkten Haarwuchs (Hirsutismus), Akne und Haarausfall. [1]
Insulinresistenz als häufiger Auslöser
Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Frauen mit PMOS eine Insulinresistenz aufweist, also eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Die in der Fachliteratur berichteten Raten liegen je nach Studienmethodik zwischen 35 und 80 Prozent. [2] Die daraus folgende erhöhte Insulinausschüttung kurbelt die Androgenproduktion in den Eierstöcken weiter an und senkt gleichzeitig das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG), wodurch noch mehr freies Testosteron im Blut zirkuliert. [1]
Beschwerden, die weit über die Eierstöcke hinausgehen
PMOS betrifft den gesamten Organismus. Zu den möglichen Begleiterkrankungen zählen:[1]
PMOS und Kinderwunsch: Was bedeutet das konkret für Sie?
PMOS gehört zu den häufigsten Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch. Durch den gestörten Hormonhaushalt reifen Eizellen nicht oder nur unvollständig heran, der Eisprung bleibt aus. Das ist belastend und viele Frauen fragen sich, ob eine Schwangerschaft überhaupt noch möglich ist. Die Antwort lautet: ja, sehr häufig schon.
Medizinisch gilt Infertilität als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach zwölf Monaten regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs, bei Frauen unter 35 Jahren nach sechs Monaten. [5] Wer dieses Kriterium erfüllt, sollte sich nicht allein damit auseinandersetzen müssen. Es gibt heute wirksame Wege, die gezielt auf die Ursachen von PMOS eingehen.
Studien zeigen, dass Frauen mit PMOS unter reproduktionsmedizinischer Behandlung vergleichbare oder in bestimmten Konstellationen sogar höhere klinische Schwangerschaftsraten erzielen als Frauen ohne diese Diagnose. [6]
Lebensstil als erster Schritt
Bereits moderate Gewichtsreduktion kann bei betroffenen Frauen mit Übergewicht den Zyklus normalisieren und die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs deutlich erhöhen. Eine zuckerarme, ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung verbessern zudem die Insulinsensitivität und können das hormonelle Gleichgewicht positiv beeinflussen. [1]
Medikamentöse Unterstützung
Wirkstoffe wie Letrozol und Clomifen fördern die Eizellreifung und den Eisprung. Bei vorliegender Insulinresistenz kommt häufig Metformin zum Einsatz. Die WHO empfiehlt Letrozol als Erstlinientherapie bei ovulatorischer Dysfunktion im Rahmen von PMOS. [5]
Reproduktionsmedizinische Behandlung
Wenn andere Ansätze nicht zum gewünschten Ergebnis führen, bieten gezielte Stimulationsbehandlungen mit Gonadotropinen oder eine In-vitro-Fertilisation (IVF) weitere Möglichkeiten. Diese Schritte sollten immer im gemeinsamen Gespräch und in Abhängigkeit Ihrer individuellen Situation abgewogen werden. [1]
PMOS abklären lassen, wir begleiten Sie von Anfang an
Unregelmäßige Zyklen, ausbleibende Eisprünge oder ein unerfüllter Kinderwunsch: PMOS bleibt oft lange unerkannt, obwohl es zu den häufigsten hormonellen Ursachen gehört. Eine gezielte Diagnostik schafft Klarheit und zeigt individuelle Möglichkeiten frühzeitig auf.
Sprechen Sie mit uns. In einem ersten, unverbindlichen Gespräch nehmen wir uns Zeit für Ihre persönliche Situation.
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Quellen:
[1] Teede HJ et al. (2026): Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. The Lancet. DOI: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42119588/
[2] Rojas J et al. (2022): Markers of insulin resistance in polycystic ovary syndrome women: An update. Frontiers in Endocrinology. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8984569/
[3] Manzano-Nunez R et al. (2023): Non-alcoholic fatty liver disease in patients with polycystic ovary syndrome: A systematic review, meta-analysis, and meta-regression. Nutrients. Gepoolte NAFLD-Prävalenz: 43 % (95 % CI 35 bis 52 %). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36769504/
[4] Katsarou MS et al. (2025): Obstructive sleep apnea syndrome in polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis. Gepoolte OSA-Prävalenz 37 %, OR 9,52 vs. Frauen ohne PCOS. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12006010/
[5] WHO (2025): Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/ad3b700d-2c90-44fc-bd6f-fd93227b6a5a/content
[6] Liu S et al. (2026): Adverse pregnancy and perinatal outcomes in women with polycystic ovary syndrome undergoing assisted reproductive technology: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Medicine. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12549646/